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Nach der Wende übernahm ein Trägerverein, hinter dem die Sportverbände und das Nationale Olympische Komitee stehen. Partner sind u.a. das Institut für Land- und Seeverkehr (Bereich Schiffs- und Meerestechnik) der Technischen Universität Berlin und das Institut für Sportwissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin. Die weltweit einzigartige Einrichtung wird mit 3,1 Millionen Euro pro Jahr vom Bundesinnenministerium gefördert. "Wir forschen nicht im goldenen Käfig vor uns hin", sagt Harald Schaale. Die Gefahr, dass ein Gerät entsteht, das nie zum Einsatz kommt, ist tatsächlich klein. Denn die Forscher arbeiten eng mit den Sportlern zusammen, die meist genau wissen, worauf es in der Praxis ankommt. Im zweiten Stockwerk sieht man, wozu die Vorstellungskraft der FES-Erfinder führen kann: stromlinienförmige, im Windkanal getestete Rennräder aus carbonhaltigem Kunststoff. Bei manchen Modellen ist das Vorderrad halb so groß wie das Hinterrad. "Alles Museumsstücke", sagt Michael Nitsch, der früher die Radsportabteilung betreut hat.  |
So sieht in Sciencefiction-Filmen immer das Geheimlabor aus. Männer in blauen Schutzanzügen hantieren mit Materialmischungen, Teile eines unbekannten Fahrzeugs stehen in der Ecke. Wir befinden uns in einem grauen Industriegebäude in Berlin-Schöneweide. Es riecht nach verschmurgeltem Plastik und frisch angerührtem Kunstharz.
Wir sind tatsächlich in einem ziemlich geheimen Labor, das mit elektronisch gesicherten Stahltüren vor Eindringlingen geschützt ist. Was die blauen Männer hier produzieren? Sie wissen, wie man Gold macht. Am Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten (FES) konstruieren Wissenschaftler Sportgeräte für die Olympiasieger von morgen. 53 Maschinenbauingenieure, Mathematiker, Materialforscher und andere Mitarbeiter basteln an Booten, Kanus, Fahrrädern, Schlitten, Gewehren, Rennanzügen, Klappschlittschuhen und Schwimm-Ergometern. Deutsche Sportler haben mit FES-Hilfe hunderte von EM-, WM- und olympische Medaillen gewonnen. Jan Ullrich fuhr bei seinem Toursieg auf einer FES-Rennmaschine. "Gemerkt hat das natürlich niemand, weil das Rad in den Farben des Sponsors lackiert war", sagt Harald Schaale, Direktor und Chefkonstrukteur. Wie stolz Schaale und seine Mitarbeiter auf ihren Beitrag zu deutschen Sporterfolgen sind, zeigt ein Gang durch das Gebäude. Überall hängen signierte Bilder und Trikots. Die Eisschnellläuferin Anni Friesinger, der Radfahrer Erik Zabel und die Kanutin Birgit Fischer lächeln auf Siegfotos. Dass ihre Erfolge auf dem Know-how des FES beruhen, wissen wenige. Aufgabe der Hightech-Werkstatt ist, die Wettbewerbsfähigkeit im Spitzensport für Deutschland zu sichern. Das galt auch schon zu den Frühzeiten in der DDR. 1962 wurde die "Entwicklungsabteilung für Sportgeräte der Forschungsstelle der DHfK (Deutsche Hochschule für Körperkultur)" gegründet.
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| Akribisch auf die Athleten abgestimmt sind auch die Paddel der Kanuten: Drehungswinkel, Schafthärte und
Blattbiegung sind millimetergenau auf bestmögliche Kraftübertragung eingestellt.
Besonders stolz ist Schaale auf ein Messsystem für den Rudersport, das die Nationalmannschaft einsetzt. Sensoren messen bei jedem Ruderer die Zugkraft, den Ruderwinkel, die Stemmbrettkraft, den Rollsitzweg sowie die Bootsgeschwindigkeit und -beschleunigung. Die Daten werden drahtlos und in Echtzeit übertragen. Die Messkurven geben dem Trainer Aufschluss über seine Athleten und auch die Sportler haben einen Bildschirm im Boot, um ihre Bewegung optimieren zu können. Viele FES-Erfindungen fallen kaum auf, haben aber einen großen Anteil am Erfolg von Sportlern. Schwimmer verbessern ihre Technik über Trainingsgeräte, die mit Drehstrombremsen ausgestattet sind. An einem Präzisionsgewehr ersetzten die Tüftler den Holzschaft durch Carbon. Das eingesparte Gewicht wurde am Schaft platziert. Dadurch kann der Schütze das Gewehr besser ausbalancieren und genauer zielen. Wie viel Technik ist an einer Goldmedaille beteiligt? "Manchmal ist es wie bei der Formel 1 – der mit dem besten Material gewinnt", sagt Harald Schaale, "aber dennoch steht der Mensch meistens noch im Vordergrund."Zum Beweis erzählt Schaale gern die Geschichte von Eddy Merckx. Als der legendäre Radrennfahrer 1972 in Mexiko einen Stundenweltrekord aufstellte, der 28 Jahre lang Bestand haben sollte, sah sein Fahrrad noch aus wie ein Fahrrad. Nur mit Spezialkonstruktionen aus dem Windkanal gelangen später Stundenmittel von 56 Kilometern und mehr. Erst im Jahr 2000 kam der Brite Chris Boardman auf einem normalen Rennrad in einer Stunde weiter als Eddy Merckx: schlappe zehn Meter. |