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Detlev Ganten

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Porträt von Professor Detlev Ganten

Prof. Dr.

Detlev Ganten

Vorsitzender des Stiftungsrats der Stiftung Charité und Präsident des World Health Summits
(Foto: privat)

Die Medizin macht große Fortschritte. Viele Krankheiten können heute gut behandelt werden. Eine der wichtigsten Fragen bleibt aber in den meisten Fälle immer noch unbeantwortet: Warum werden wir krank? Um diese Frage zu beantworten, kann es helfen, weit in die Vergangenheit zu blicken, bis zu den Ursprüngen des Lebens vor 3,5 Milliarden Jahren: „Wir können aus der Evolution des Lebens und des Menschen lernen, warum wir krank werden“, sagt Professor Detlev Ganten, Vorsitzender des Stiftungsrats der Stiftung Charité und Präsident des World Health Summits.

 

Der Facharzt für Pharmakologie und Molekulare Medizin beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den Ursachen von Herzkreislauferkrankungen, besonders Bluthochdruck, und mit den Möglichkeiten, diesen zu behandeln und seine Entstehung zu verhindern. Dazu blickt Ganten auch immer wieder zurück in die Entwicklung des menschlichen Körpers und in die Geschichte unserer Erbanlagen, des Genoms. Das molekulare und genomische Verständnis der Entstehung des Lebens und des Menschen durch neue Methoden der Sequenzierung hat in den letzten zehn Jahren eine neue Wissenschaft entstehen lassen mit großen Möglichkeiten: die Evolutionäre Medizin.

 

Eine der Ursachen für Bluthochdruck liegt in der Steinzeit

 

Ein Beispiel hierfür ist das sogenannte Renin-Angiotensin-System, das den Blutdruck reguliert und das Prof. Ganten erforscht hat. „Das Renin-Angiotensin-System ist ein ganz altes System, das in der Evolution vor mehr als 500 Millionen Jahren in Fischen entstand und dann beim Landgang der Amphibien (Salamander, Frösche) und Reptilien (Schlangen, Krokodile) besonders wichtig wurde“, sagt Ganten. Es hält Wasser und Salz im Blut zurück und schützt den Körper so vor dem Austrocknen. Diese Funktion des Renin-Angiotensin-Systems entwickelte sich weiter in der Evolution des homo sapiens und in der Steinzeit. Damals lebten die ersten Menschen in der afrikanischen Savanne, wo Wasser und Salze oft knapp waren. Heute allerdings nehmen wir über unsere Nahrung viel zu viel Salz zu uns, schwitzen aber gleichzeitig kaum etwas aus. Doch das Renin-Angiotensin-System arbeitet weiterhin so, als müsse es einen Mangel an Wasser und Salz ausgleichen. So werden wir krank und bekommen Bluthochdruck.

Dass heute so viele und präzise Informationen über die Entwicklung des menschlichen Körpers vorhanden sind, verdanken wir der Genomforschung. Deren Gedankengerüst entstand u.a. in Berlin-Buch, angestoßen im Jahre 1935 vom Nobelpreisträger Max Delbrück und dem russischen Genetiker Nikolai Timofeef-Ressovsky. Als Prof. Ganten 1991 nach Buch kam, um Gründungsdirektor eines neuen Instituts zu werden, das aus den Zentralinstituten für Krebsforschung, Herz-Kreislauf-Forschung und Molekularbiologie der ehemaligen DDR hervorging, knüpfte er an die große wissenschaftliche Tradition des Standorts an: Das Max-Delbrück-Centrum für Molekular Medizin (MDC) entstand und führte die Genomforschung fort – erfolgreich.

Prof. Ganten wird Vorstandsvorsitzender der Charité


„Ich habe in Berlin den Wert einer bestehenden Tradition verstehen und schätzen gelernt“, sagt Ganten. Der Name Max Delbrück weist auf den hohen Anspruch an die eigene Arbeit, den Anspruch der Forschungseinrichtung und ermöglichte ihr gleichzeitig durch den weltweiten Bekanntheitsgrad einen besseren Start. Die Tradition war es dann auch, die Ganten zusagen ließ, als ihm 2004 der Vorstandsvorsitz der inzwischen 300 Jahre alten Charité angeboten wurde. „Einen Ruf an die traditionsreiche Charité kann man gar nicht ablehnen“, sagt Ganten. Erneut wurde er Gründungsdirektor, diesmal der Charité - Universitätsmedizin Berlin. Er führte die  Hochschulmedizin der Humboldt-Universität und der Freien Universität zu einer der größten Universitätskliniken zusammen. In dieser turbulenten und schwierigen Zeit half der große Name „Charité“, die Mitarbeiter bei der Fusion der zwei Einrichtungen aus Ost- und West-Berlin ins gemeinsame Boot zu holen. „Mit der Tradition hebeln Sie nicht die Realität aus, aber Sie schaffen leichter ein motivierendes Zugehörigkeitsgefühl und eine sinnstiftende Corporate Identity.“

Dass er damals keine Standorte der Charité schließen musste und das Klinikum damit seine Größe, Qualität und Zukunftsfähigkeit erhalten konnte, zählt Prof. Ganten zu seinen größten Erfolgen. Ebenso, dass das Max-Delbrück-Centrum heute eine der  besten Forschungseinrichtungen der Welt ist, zu der auch der Biotechnologie Park Berlin Buch gehört. Nun setzt er seine Hoffnung auf die Zusammenarbeit von MDC und Charité, die die beiden Einrichtungen künftig noch stärker ausbauen wollen. Verläuft diese geplante Verbindung erfolgreich, könnte Berlin in der Welt wieder die Position in der naturwissenschaftlichen Medizin einnehmen, die es vor 150 Jahren schon einmal hatte. Damals, in der auch wirtschaftlich erfolgreichen Gründerzeit, lebten und arbeiteten mit Virchow, Koch, v.Behring, Ehrlich, Helmholtz und Siemens zahlreiche berühmte Wissenschaftler und Unternehmer in Berlin, die ganz neue Wirtschaftszweige begründeten.

„Wirtschaftskraft Berlins kommt aus der Wissenschaft“


Vor der Wiedervereinigung war Berlin für lange Zeit keine attraktive Wissenschaftsstadt. Seit 1992 habe Berlin aber „so viel Dynamik entwickelt wie kaum eine andere Stadt auf der Welt“, sagt Ganten. „Heute ist Berlin die führende  Wissenschaftsstadt in Deutschland.“ Auch wenn viele die Bedeutung der Wissenschaft für Berlin und besonders für seine Wirtschaft in den Augen von Prof. Ganten noch immer unterschätzen. Gerade weil es keine Schwerindustrie in Berlin gibt, sei es wichtig, eine junge kreative Wirtschaft zu fördern und den Wissens- und Technologietransfer weiter auszubauen. „Die Wirtschaftskraft Berlins kommt aus den kreativen Köpfen der Wissenschaft gepaart mit Unternehmergeist. Geld wird zu Wissen und Wissen wird zu Geld“, so Gantens kurze Definition einer Wissensgesellschaft.

2008 übergab der Wissenschaftler den Vorstandsvorsitz der Charité an Prof. Karl Max Einhäupl. Seit 2009 ist er nun der Präsident des World Health Summits. Zentrales Thema ist hier u.a. der Zugang zu medizinischer Versorgung für Menschen auf der ganzen Welt. „Wir betreiben heute zum Teil noch eine Medizin, die vor 150 Jahren konzipiert  wurde“, sagt Ganten. „Diese Medizin ist  erfolgreich, aber sie wird immer teurer und ist nur bedingt  geeignet, um 7 Milliarden Menschen auf dieser Erde zu versorgen. Wir brauchen deshalb eine neue Medizin, die uns hilft zu verstehen, weshalb wir krank werden und die für alle Menschen zugänglich ist, eine Medizin, die vorbeugt und nicht erst dann eingreift, wenn wir bereits krank sind.“ Schon jetzt ist die Gesundheitswirtschaft einer der weltweit größten und wichtigsten Wirtschaftszweige. Das werde sich in Zukunft noch verstärken. „Die Gesundheitsstadt Berlin kann und muss dabei eine führende Rolle spielen.“

 

Detlev Ganten finden Sie auch im Who's Who der Wissenschaft in Berlin.

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