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Die Gründer von ResearchGate
Die ResearchGate-Gründer: Horst Fickenscher, Ijad Madisch und Sören Hofmayer (v.li.) © ResearchGate

ResearchGate

"Wir werden die Wissenschaftswelt signifikant verändern"

Alles begann mit einem missglückten Experiment: Der Virologe Ijad Madisch kam bei einem Versuch in einem Labor der Harvard Medical School in Boston nicht weiter. Niemand in seinem Umfeld wusste Rat, auch in der Fachliteratur fand er nichts. Bei der Suche nach einer Lösung kam Madisch ein Gedanke: Was, wenn es ein soziales Netzwerk für Wissenschaftler auf der ganzen Welt gäbe? Eine Online-Plattform, auf der Forscher aus verschiedenen Disziplinen über ihre Experimente und Methoden diskutieren und Fragen stellen können. Ijad Madisch kontaktierte zwei Freunde in Deutschland, den Mediziner Sören Hofmayer und den Informatiker Horst Fickenscher. Sie waren dabei. Nur fünf Monate später, im Mai 2008, ging ResearchGate online.

„Wissenschaftler sind nicht gut vernetzt“, sagt Ijad Madisch. Jedenfalls nicht so gut, wie sie es sein könnten. Oft bleiben, laut Madisch, die Experten für ein Thema unter sich und gerade jüngere Wissenschaftler, Doktoranden, Postdocs und Masterstudenten sind häufig auf die Netzwerke ihrer Professoren angewiesen. ResearchGate gibt ihnen die Möglichkeit, eigene Netzwerke zu schaffen, über Fächer- und Ländergrenzen hinweg. Ähnlich wie beispielsweise bei Facebook füllt jedes Mitglied sein persönliches Profil aus und informiert die anderen über seine Publikationen und Projekte.

Die Startseite von researchgate.net
Die Startseite von researchgate.net © ResearchGate

Diskussionsforen sind das Herzstück der Plattform

Das Herzstück des Portals aber sind die Diskussionsforen und Gruppen. Hier diskutieren inzwischen mehr als 900.000 Wissenschaftler aus knapp 200 Ländern und sämtlichen Fachbereichen. Wer eine Frage zu einem Experiment, einer Methode oder zu Fachliteratur stellt, kann sicher sein, schnell eine Antwort zu bekommen. „Es freut mich zu sehen, dass es genauso funktioniert, wie ich es mir vorgestellt hatte“, sagt Ijad Madisch und ist sich sicher: „Wenn alles gut läuft, werden wir die Wissenschaftswelt signifikant verändern.“

Schneller, effizienter, fächerübergreifend – so, das hofft Madisch, wird die Wissenschaftswelt in Zukunft sein. Wie ReserachGate dazu beiträgt? Ijad Madisch nimmt noch einmal das Beispiel seines missglückten Experiments: Wenn ein Versuch schiefgeht, spricht niemand darüber, sagt er. Nur Erfolge gelangen an die akademische Öffentlichkeit. Dabei beschäftigen sich häufig mehrere Wissenschaftler unabhängig voneinander mit ähnlichen Themen. Wüsste der eine vom anderen, wäre es vermeidbar, dass der gleiche Fehler mehrfach vorkommt.

Neuer Standort: Berlin

Seit einigen Monaten unterstützen nun zwei amerikanische Investoren das junge Unternehmen ResearchGate: Benchmark Capital und Accel Partners – die Unternehmen investierten bereits in Ebay und Twitter. Die Investoren knüpfen eine Bedingung an ihr Engagement: Madisch, Hofmayer und Fickenscher sollten das bisher über zwei Kontinente verteilte Team an einem Standort versammeln, entweder im Silicon Valley oder in Berlin. „In Absprache mit den neuen Investoren haben wir uns für Berlin entschieden und die Entscheidung bisher noch keinen Tag bereut“, sagt Ijad Madisch.

Er und seine Mitarbeiter haben viele gut qualifizierte Mitarbeiter in Berlin gefunden und konnten auch Kollegen aus den USA davon überzeugen, in die Hauptstadt zu ziehen. „Berlin ist sehr international, man hört viele unterschiedliche Sprachen auf den Straßen“, sagt Madisch. Das, so glaubt er, macht die Stadt für die amerikanischen Mitarbeiter interessant. Zudem hat ResearchGate Verbindungen zur Berliner Wissenschaft geknüpft. Es gibt Gespräche über Unterstützung von Seiten wissenschaftlicher Einrichtungen für ResearchGate. Zudem steht das Team von ResearchGate mit der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) in Verhandlungen. Die MPG will die Plattform nutzen, um 80 ihrer Institute miteinander zu vernetzen.

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