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Die Digitale Gesellschaft

Big Data, Industrie 4.0., Crowd-Working – die digitale Revolution verändert unser Leben. Das Wissenschaftsjahr 2014, eine Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, eröffnet einen Dialog über die Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung unserer Gesellschaft. Berlin Sciences befragte daher Prof. Dr. Wolf-Dieter Lukas, Abteilungsleiter Schlüsseltechnologien – Forschung für Innovationen, aus dem Bundesministerium für Bildung und Forschung zu den Zielen und Antworten aus dem Wissenschaftsjahr.

Digitale Welt
Digitale Welt © fotolia

Herr Prof. Lukas, das Wissenschaftsjahr 2014 ist eine Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und beschäftigt sich mit der „digitalen Gesellschaft“. Was verbirgt sich hinter diesem Schlagwort?

Die Digitalisierung durchdringt unseren Alltag. Wie wir uns informieren, wie wir miteinander kommunizieren, wie wir lernen, wie wir arbeiten, wie wir einkaufen, kurzum, wie wir leben – all das hat sich in den letzten 25 Jahren essenziell verändert. Das Wissenschaftsjahr fragt daher, wie wir uns durch die Digitalisierung als Einzelne und als Gesellschaft verändern. Während viele Menschen den digitalen Wandel als Errungenschaft wahrnehmen und Hoffnungen in ihn setzen, blicken einige skeptisch in die digitale Zukunft

Sie behandeln mit Ihren Fragestellungen ein sehr breites Themenfeld. Wo liegt dabei Ihr inhaltlicher Fokus?

Unsere Veranstaltungen, Wettbewerbe und Aktionen im Wissenschaftsjahr führen wir entlang dreier Handlungsfelder: Das digitale Miteinander, die Digitale Wirtschaft und das Digitale Wissen. So hinterfragen wir zum Beispiel, welchen Einfluss die Digitalisierung auf unser soziales Leben hat, ob sie in der Arbeitswelt mehr Flexibilität oder mehr Belastung bedeutet oder wie sich die intensive Nutzung digitaler Medien auf unser Lernverhalten auswirkt.

Big Data, Industrie 4.0, Crowd-Working: Sie beschäftigen sich mit vielen Zukunftsthemen. Was glauben Sie, ist der kommende digitale Supertrend?

Ich kann Ihnen sagen, was kein Trend wird: das allmähliche Auflösen der Privatheit, wie viele voraussagen. Es handelt sich hier schließlich um ein Grundbedürfnis des Menschen – und das wird auch kein Internet verdrängen können. Vielmehr sehe ich eine Renaissance der Privatheit. Dieses Bedürfnis der Menschen, Kunden, Nutzer halte ich für so wichtig, dass es aus meiner Sicht für Unternehmen ratsam und eine große Chance ist, den Wunsch nach digitaler Privatheit rasch aufzugreifen und ihre Geschäftsmodelle zu überdenken oder neue zu entwickeln.

Welche richtungsweisenden digitalen Innovationen hat die deutsche Forschung zuletzt hervorgebracht?

Industrie 4.0. Das Internet ermöglicht nicht nur Menschen miteinander zu kommunizieren, sondern auch den Austausch zwischen Maschinen. In der vernetzten Produktion kommuniziert das Werkstück mit allen erforderlichen Schnittstellen – von der Werkbank bis zum Transport. Das steigert die Effizienz, ändert Arbeitsabläufe und ermöglicht die Herstellung individueller Einzelstücke zu Konditionen einer Serienproduktion. Einige reden bereits von der 4. industriellen Revolution, auch wenn noch ein Stück Weg zur effizienten Vernetzung hochkomplexer Strukturen zu gehen ist.

Mit Ihrer Initiative „Deutschlands digitale Köpfe“, zeichnen Sie Menschen aus, die mit ihren Innovationen die digitale Zukunft gestalten. Wie ist es aus Ihrer Sicht um den digitalen Nachwuchs in Deutschland bestellt?

Über die digitalen Köpfe darf ich leider noch nichts verraten. Daher ein anderes Beispiel: Wir haben 2011 drei IT-Sicherheitsforschungszentren in Saarbrücken, Darmstadt und Karlsruhe eingerichtet. Diese Zentren, in denen viele Nachwuchswissenschaftler/-innen arbeiten, haben sich innerhalb kurzer Zeit zu anerkannten Partnern in Fragen der IT-Sicherheit in Deutschland und Europa entwickelt.

Sie sprechen in Ihrer Kommunikation auch heikle Fragen wie Datensicherheit und Privatsphäre im Netz an. Wollen sich die Bürger mit diesen Fragen beschäftigen?

Wir haben zu Beginn des Wissenschaftsjahres eine repräsentative Bevölkerungsumfrage zur Zukunft der digitalen Gesellschaft in Auftrag gegeben: Datensicherheit ist für alle Generationen ein wichtiges Thema. Mich persönlich hat das Vertrauen der Bürger in Wissenschaft und Forschung gefreut: 76 Prozent sind der Überzeugung, dass Wissenschaftler neue technische Möglichkeiten entwickeln, die besser vor Datenmissbrauch und Hacker-Angriffen schützen. Wir wollen einen Beitrag dazu leisten, dass die Bürger in die Lage versetzt werden, ihr Recht auf informationelle Selbstbestimmung wahrzunehmen und selbst zu entscheiden, welche Daten über sie erhoben werden und wie diese Daten genutzt werden dürfen.

Bei der Vermittlung Ihrer Inhalte setzen Sie auch auf Kontroversen und meinungsstarke Beiträge. Was versprechen Sie sich davon?

Im Wissenschaftsjahr laden wir Bürger ein, sich über Themen der Digitalisierung zu informieren und sich mit Experten sowie Wissenschaftlern auszutauschen. Es gibt sehr viele Praktiker und Forscher, die sich mit der Digitalisierung der Gesellschaft auseinandersetzen und ihre Ansichten einbringen. Dass sie dabei unterschiedliche Aspekte beleuchten und unterschiedlicher Meinung sind, macht diesen Austausch spannend und regt zum Nachdenken an. Und genau das wollen wir erreichen, denn wer Kontroversen vermeidet, dient nicht der digitalen Gesellschaft. Was uns auffällt: Wenn Wissenschaft und Forschung von ihrer Arbeit berichten, wird den Bürgern oft erst bewusst, dass nicht die neuen Technologien unsere digitale Gesellschaft formen, sondern sie selbst – als Nutzer dieser Technologien.

Welche interessanten Veranstaltungen finden im Wissenschaftsjahr in Berlin statt?

Wir initiieren gemeinsam mit Partnern zahlreiche Maßnahmen, die bundesweit und selbstverständlich auch in Berlin stattfinden. Dazu zählt zum Beispiel der Auftakt der bundesweiten Initiative „Jeder kann programmieren“, die Veranstaltungsreihen „Digitale Kompetenzen“ mit Wikimedia Deutschland und „Digitaler Salon“ mit dem Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft oder ein Projekt zu Literatur und Computerspielen im Rahmen des internationalen Literaturfestivals in Berlin. Auch das Finale des Science Slam im Wissenschaftsjahr und die Abschlussveranstaltung des Hochschulwettbewerbs werden Ende des Jahres in Berlin stattfinden. Außerdem darf ich Ihnen versichern, dass auch die Bekanntgabe der digitalen Köpfe in den nächsten Wochen spannend sein wird.

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