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Easy Listen GmbH

Filmgenuss für alle: Berliner Unternehmen produziert Tonfassungen für Hörgeschädigte

Der Film neigt sich dem Ende zu, die Musik schwillt an, der Hauptdarsteller macht seiner Auserwählten eine Liebeserklärung – und es ist kein Wort von dem zu verstehen, was er sagt. Hörgeschädigte Zuschauer machen diese Erfahrung immer wieder. Den Sonntagskrimi im Fernsehen zu gucken macht dann genauso wenig Spaß wie ins Kino zu gehen oder eine DVD anzuschauen. Betroffen sind davon in Deutschland etwa 14 Millionen Menschen, darunter auch viele Senioren, denen das Hören zunehmend schwerer fällt. Doch mit dem neuartigen Verfahren der Berliner Easy Listen GmbH gibt es nun eine Lösung des Problems.

Die Geschäftsführer von Easy Listen
Die Geschäftsführer von Easy Listen: Christian Simon und Ginetta Fassio © Easy Listen GmbH

Bislang keine Alternative zu Untertiteln

Ginetta Fassio und Christian Simon, die Gründer und Geschäftsführer von Easy Listen, produzieren separate Tonfassungen von Filmen und Dokumentationen. Diese sind auf die Bedürfnisse von Hörgeschädigten und Senioren zugeschnitten. Zwar gibt es mit Untertiteln bereits ein Angebot für Menschen, die vollständig taub sind. Doch für die breite Masse der Hörgeschädigten gab es bislang keine weitere Alternative. „Aber Menschen, die noch hören können, wollen ja auch hören“, so Fassio.

Ziel ist es deshalb, die Sprachverständlichkeit des Filmmaterials zu optimieren. Dazu nimmt das Team von Easy Listen, unterstützt von einer Software, zum Beispiel die Musik im Film etwas zurück, damit das Gesprochene besser zu hören ist. „Wir könnten natürlich auch einfach alle Soundeffekte ausschalten“, sagt Ginetta Fassio, „aber dann hat der Zuschauer kein Filmerlebnis mehr.“

Tonfassung für Hörgeschädigte als Zweikanalton

Mit dem Verfahren, das bei der Herstellung des Filmmaterials ansetzt, ist Easy Listen Vorreiter, nutzt aber eine Technologie, die es bereits gibt: die Möglichkeit, mehrere Tonspuren zu senden. Somit könnten Rundfunkanstalten parallel zum Original im Zweikanalton die Tonfassung für Hörgeschädigte senden. Und so haben Rundfunkanstalten auch bereits Interesse an der Innovation angemeldet. Mit dem RBB, dem Rundfunk Berlin-Brandenburg, arbeitete das Easy-Listen-Team schon in der Entwicklungsphase eng zusammen. Ein weiterer Partner war und ist der Deutsche Schwerhörigenbund e.V.. „Denn das Beste, was man machen kann, ist die Leute zu fragen, die das Problem haben“, sagt Ginetta Fassio.

Zusammenarbeit mit Fraunhofer-Institut

Von der Idee bis zum marktreifen Produkt dauerte es fünf Jahre. Noch während ihres Studiums an der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam-Babelsberg begannen Fassio und Simon mit der Entwicklung des Verfahrens. Wissenschaftliche Unterstützung erhielten sie dabei vom Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie (IDMT) in Oldenburg. Das IDMT arbeitet unter anderem im Bereich der Hörgeräteentwicklung und versorgte Ginetta Fassio und Christian Simon mit wichtigen Informationen zum menschlichen Ohr. Das Easy-Listen-Team kombinierte das Wissen der Audiologen mit ihren eigenen Kenntnissen als Diplom-Tonmeister. Für seine Arbeit erhielt das Team von Easy Listen 2011 den Nachwuchswissenschaftlerpreis des Landes Brandenburg und den Innovationspreis Berlin Brandenburg.

Im Oktober 2011 folgte schließlich die Gründung der Easy Listen GmbH in Berlin. „Berlin bietet jungen Unternehmern einfach wahnsinnig viele Möglichkeiten“, sagt Ginetta Fassio. Darüber hinaus ist die Medienbranche in Berlin breit vertreten. „Das heißt, wir finden hier fähige Mitarbeiter und dazu gute Kontakte.“ Die beiden großen Berliner Messen IFA und Berlinale tragen dazu ebenfalls bei. „Und wir sind bei media.net berlinbrandenburg, dem Branchennetzwerk, aktiv“, sagt Fassio. „Das ist noch so eine großartige Möglichkeit, die Berlin bietet.“

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