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LUM GmbH

Adlershofer Unternehmen vereinfacht Prüfung der Festigkeit von Klebstoffen

Hält der Klebstoff auch, was er verspricht? Ein neues Verfahren der Berliner LUM GmbH gibt auf diese Frage eine schnelle Antwort. LUMiFrac® – so der Name des Verfahrens – nutzt die Zentrifugalkraft, um zu testen, wie gut eine Klebverbindung hält. Bis zu 85 Prozent Zeitersparnis bringt LUMiFrac gegenüber herkömmlichen Verfahren. Dafür ist die LUM GmbH mit dem Innovationspreis 2012 ausgezeichnet worden.

LUMiFrac
Bis zu acht Proben gleichzeitig können in der Zentrifuge, dem Kernstück von LUMiFrac, untersucht werden. © LUM GmbH

Verfahren spart Zeit und hilft, Ergebnisse leichter zu vergleichen

Vor LUMiFrac konnten Labormitarbeiter nur jeweils eine Klebestelle testen. Nach jedem Test musste eine neue Probe eingespannt und ausgerichtet werden. Die Zentrifuge, die im Mittelpunkt von LUMiFrac steht, fasst acht Proben gleichzeitig. Das spart nicht nur Zeit, es hilft auch dabei, Ergebnisse zu vergleichen. Läuft die Zentrifuge, wirkt ihre Kraft senkrecht auf die Klebefläche ein. Dadurch muss die Probe nicht mehr erst justiert werden. Während des Tests wird die Drehzahl der Zentrifuge immer weiter erhöht und die Klebestelle so lange belastet, bis sie bricht. Bei welcher Beschleunigung das passiert, zeichnet eine im Rotor eingebaute Messelektronik auf. Sie übergibt die Daten an eine PC-Software und berechnet automatisch die Festigkeit.

Einsatz von LUMiFrac in drei großen Bereichen

Drei große Einsatzgebiete sieht Prof. Dr. Dietmar Lerche, Gründer und Geschäftsführer der LUM GmbH, für LUMiFrac: bei der Entwicklung von neuen Klebstoffen, um neue Materialkombinationen zu testen und bei der Qualitätskontrolle. „Etwa 90 Prozent aller Produkte haben eine behandelte Oberfläche“, sagt Lerche. Mit Hilfe von LUMiFrac lässt sich nun leichter prüfen, wie gut die verschiedenen Schichten zusammenhalten und wie eine Oberfläche behandelt werden muss, damit weitere Schichten auf ihr halten. „Das Verfahren ist seit September auf dem Markt“, sagt Dietmar Lerche. „Die ersten beiden Geräte konnten wir bereits verkaufen.“ Weitere Interessenten haben sich schon gemeldet.

Innovationspreisträger der LUM GmbH
Prof. Dr. Dietmar Lerche und Uwe Rietz von der LUM GmbH nehmen den Innovationspreis entgegen. © LUM GmbH

Enge Kooperation mit verschiedenen Partnern

Für die LUM GmbH ist LUMiFrac ein Schritt in eine neue Richtung. Bisher ist das Unternehmen mit Hauptsitz in Berlin-Adlershof darauf spezialisiert, allgemein die Stabilität von Suspensionen und Emulsionen zu testen. Unter anderem entstand die LUMiFuge, die den Entmischungsprozess von Produkten wie im Zeitraffer simuliert. Mit dem neuen Verfahren steigt die LUM GmbH nun auch in die Materialprüfung ein. Bei ihren Entwicklungen kooperieren die LUM-Mitarbeiter regelmäßig mit Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft. Einen Teil der Kooperationspartner finden sie gleich in der Nachbarschaft auf dem Campus Adlershof, aber auch mit der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung arbeitet das Unternehmen eng zusammen. Mit fünf ihrer Partner forscht die LUM GmbH gerade an einer neuen,  vielversprechenden zusätzlichen Applikation des Verfahrens zur Analyse und Quantifizierung von Oberflächenbearbeitungen wie z.B. von Kunststoffen. "Die Arbeit konzentriert sich dabei auf den LUMiFrac, denn jetzt müssen wir erst einmal sehen, dass wir das Produkt vermarkten“, sagt Lerche. Zudem soll es weiteres Zubehör und spezielle Anpassungen geben.

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