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„67P/Tschurjumow-Gerasimenko" unter der Lupe

"Philae" auf dem Kometen „67P/Tschurjumow-Gerasimenko" | Quelle: DLR (CC-BY 3.0)

Adlershof hat ein Auge auf fremde Kometen

Wie sah das Planetensystem in seiner ursprünglichen Form aus? Was sind überhaupt die Grundlagen von Planeten und dem Leben? Die vielbeachtete „Rosetta“-Mission sucht nach Antworten auf diese elementaren Fragen. Im November 2014 erfolgte das Landemanöver des Minilabors „Philae“ auf dem Kometen „Tschuri“. Unter anderem mit Hightech aus der Hauptstadt wird die Oberfläche des geheimnisvollen Kometen nun sichtbar. Dr. Ekkehard Kührt, Abteilungsleiter am Institut für Planetenforschung des DLR in Berlin-Adlershof, zieht eine positive Zwischenbilanz der Mission.

Diese Forschungsexpedition schreibt allein aufgrund ihrer Dimensionen Geschichte: Nach über zehn Jahren Reisezeit und mehr als sechs Milliarden Kilometern löste sich eine Landeeinheit von der Öffnet externen Link in neuem Fenstereuropäischen Raumsonde „Rosetta“, um am 12. November 2014 auf einem Kometen mit der Bezeichnung „67P/Tschurjumow-Gerasimenko“ aufzusetzen – eine "Meisterleistung europäischer Ingenieurskunst", wie Dr. Ekkehard Kührt vom Deutschen Zentrum für Luft und Raumfahrt (DLR) in Berlin-Adlershof stolz resümiert.

„Philae“ heißt das Minilabor der von der Öffnet externen Link in neuem Fenstereuropäischen Weltraumorganisation ESA geplanten "Rosetta"-Mission, das sich in der Staubschicht des Kometen festsetzen sollte, um zum ersten Mal in der Geschichte der Raumfahrt Proben direkt von der Oberfläche eines Kometen zu nehmen und zu analysieren. Auch wenn die Landung auf „Tschuri“, bedingt durch die geringe Gravitation, unsanfter ablief, als von der europäischen Weltraumbehörde und den Forscherteams des DLR in Köln und Berlin erhofft, wurden bereits wichtige Erkenntnisse gewonnen. Nicht zuletzt dank hochentwickelter Foto- und Messtechnik aus der Hauptstadtregion.

"ROLIS", "MUPUS" und "SESAME": Berliner Wissenschaftler entwickelten Analyse-Instrumente
Die Minikapsel „Philae“ ist mit insgesamt zehn Untersuchungsgeräten ausgerüstet. Diese lieferten den Wissenschaftlern bereits unmittelbar nach der Landung wichtige Erkenntnisse. Erkenntnisse, die, so die Planungen, in Kürze in einem Sonderband der renommierten Fachzeitschrift "Science" erscheinen werden, deren vollständige Auswertung nach Einschätzung von Dr. Kührt jedoch mehrere Jahre dauern wird. Insgesamt knapp 60 Stunden arbeiteten die unterschiedlichen Messinstrumente der insgesamt 10 Experimente auf "Philae". Auch Berliner Technik hat nach der Landung sofort die Arbeit aufgenommen: Die am Öffnet externen Link in neuem FensterDLR-Institut für Planetenforschung in Adlershof mitentwickelte Kamera ROLIS („Rosetta Lander Imaging System“)

In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt konstruierte und fertigte die Öffnet externen Link in neuem FensterAstro- und Feinwerktechnik Adlershof GmbH zudem das Gehäuse des sogenannten Thermal Mapper – ein Teil des MUPUS-Instruments, das die thermischen Eigenschaften der Kometenoberfläche ermittelt.

Der Mapper, ein Gerät, das ungefähr so groß ist wie zwei Streichholzschachteln und an einem der Kohlefaserstrukturrohre des Landers angebracht ist, hat nach der Landung bereits thermische Eigenschaften der äußeren Kometenschicht gemessen. Beim Versuch, die MUPUS-Thermalsonde in den Boden einzuhämmern, wurde eine "unerwartet hohe Festigkeit des Kometenbodens"abgeleitet, wie Dr. Kührt berichtet.

Aufgrund des derzeitigen, nur wenig von der Sonne beschienenen Standortes des Landers dauert die Aufladung der für die Durchführung weiterer Messungen notwendigen Sekundärbatterien an. Durch die zunehmende Annäherung an die Sonne gäbe es, so Dr. Kührt zur Fortführung  der Messungen, jedoch "ausreichend Power, um den Computer und die Instrumente mit Strom zu versorgen". „Ein Problem stellt zurzeit die nicht sehr stabile Kommunikationsverbindung zwischen Philae und Rosetta dar.

“Tschurjumow-Gerasimenko: einer der ältesten und ursprünglichsten Himmelskörper des Sonnensystems

Mit der Untersuchung des Kometen Tschurjumow-Gerasimenko, einem der ältesten und ursprünglichsten Himmelskörper des Sonnensystems, soll die "Rosetta"-Mission die Entstehungsgeschichte unseres Sonnensystems erforschen. Da alle Systeme weiterhin zuverlässig arbeiten und noch genügend Treibstoff zur Verfügung steht, hat, wie DLR-Forscher Kührt abschließend erklärt, die ESA gerade erst eine Verlängerung der Missionsdauer um neun Monate bis Ende September 2016 beschlossen.

Zum Hintergrund

Rosetta ist eine Mission der europäischen Raumfahrtbehörde ESA mit Beiträgen von ihren Mitgliedsstaaten sowie der NASA. Rosettas Kometenlander "Philae" wird von einem Konsortium unter der Leitung von Öffnet externen Link in neuem FensterDLR, MPS, CNES und ASI beigesteuert.