
Auf dem Testgelände am ehemaligen Flughafen Tempelhof stellen die Wissenschaftler Situationen aus dem Straßenverkehr nach. © AutoNOMOS Labs
Ein eigenes Auto? Nicht mehr notwendig. Wer ein Auto braucht, ruft es. Parkplatzsuche? Vergangenheit. Der Wagen fährt gleich von alleine weiter. Die Fahrt zur Tankstelle? Fällt weg. Das Auto kommt reisefertig zum Fahrer. Wenn die Vision des Teams der Berliner AutoNOMOS Labs Realität wird, könnten viele lästige Nebensächlichkeiten beim Autofahren wegfallen und Ressourcen optimal genutzt werden. Denn dann fährt ein Auto auch ohne menschlichen Fahrer. Zwei Prototypen solcher autonomen Fahrzeuge hat das AutoNOMOS-Team bereits entwickelt: „Spirit of Berlin“ und „MadeInGermany“.
„So ein Auto ist quasi ein Roboter in groß“, sagt Patrick Vogel, kaufmännischer Projektkoordinator der AutoNOMOS Labs. Und genau da, in der Robotik, liegen auch die Wurzeln des Projekts: Die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten AutoNOMOS Labs sind Teil der Arbeitsgruppe „Künstliche Intelligenz“ am Institut für Informatik der Freien Universität Berlin. Prof. Dr. Raúl Rojas leitet die Arbeitsgruppe, die u.a. bereits eine ganze Fußballmannschaft aus Robotern aufstellte. „In der Robotik gibt es drei Prinzipien, die auch bei den autonomen Autos wieder auftauchen“, erklärt Patrick Vogel. „Wahrnehmung, Entscheidungsfindung und Aktion.“
„Die Technik ist schon sehr weit“

Patrick Vogel ist kaufmännischer Projektkoordinator der AutoNOMOS Labs. © AutoNOMOS Labs
Möglichkeiten der Wahrnehmung haben moderne Autos schon heute. An unterschiedlichen Stellen sind Sensoren angebracht und unterstützen den Fahrer, z.B. über die Einparkhilfe oder den elektronischen Abstandhalter. „Die Technik in den Autos ist schon sehr weit“, sagt Patrick Vogel. „Was fehlt, ist meist die Verbindung zwischen den einzelnen Elementen.“ Bisher werden die Daten eines Sensors jeweils nur für eine bestimmte Funktion genutzt. Dabei könnten die Informationen, die der Sensor in der Einparkhilfe liefert, beispielsweise auch zur genaueren Lokalisierung des Fahrzeugs genutzt werden. Das Team der AutoNOMOS Labs arbeitet deshalb an verschiedensten Möglichkeiten, die Informationen intelligent zu verknüpfen.
„Bis ein autonomes Auto auf den Markt kommt, wird es noch einige Jahre dauern“, sagt Patrick Vogel. Doch auf dem Weg dorthin ergeben sich durchaus verwertbare Nebenprodukte und Erkenntnisse, gerade im Bereich der Fahrerassistenzsysteme. Aus diesem Grund stehen Patrick Vogel und die Wissenschaftler der AutoNOMOS Labs in regelmäßigem Austausch mit Sensorherstellern, Zulieferern der Automobilindustrie und forschenden Automobilherstellern selbst. Aber auch mit anderen wissenschaftlichen Einrichtungen wie z.B. der Technischen Universität Berlin steht das AutoNOMOS-Team in Kontakt. Das Förderprogramm ForMaT (Forschung für den Markt im Team), aus dem sich das Vorhaben finanziert, eignet sich besonders gut für diese Ausrichtung.
Testfahrten auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof

Einer der Vorteile von Berlin: Der ehemalige Flughafen Tempelhof steht als Teststrecke zur Verfügung. © AutoNOMOS Labs
Ein neues Feld, auf das sich das AutoNOMOS-Team nun begibt, ist die Elektromobilität. „Wir sind derzeit dabei zum ersten Mal ein Elektroauto umzurüsten, um es weitgehend autonom fahren zu lassen und neue Anwendungen zu ermöglichen“, sagt Patrick Vogel. Dazu verschaffen sich die Mitarbeiter Zugriff auf das Lenksystem und den Motor und statten das Fahrzeug mit Sensoren, einem GPS und einem Computer aus. Als Testgelände dient dem AutoNOMOS-Team in den letzten Jahren das Vorfeld des ehemaligen Flughafens Tempelhof. „Ein solches Gelände zur Verfügung zu haben, ist einer von vielen Vorteilen in Berlin“, sagt Vogel.
Von der Teststrecke geht es nun für den ersten Prototypen „MadeInGermany“ auch auf die Straße. Dazu hat AutoNOMOS von der Stadt Berlin und mit der Unterstützung durch TÜV und Versicherungspartner letzten Monat eine Ausnahmegenehmigung für Erprobungsträger erhalten. Es könnte also sein, dass den Berlinern das autonome Auto auf den Straßen ihrer Stadt begegnet.
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Das Innovationslabor AutoNOMOS Labs ist Teil der Arbeitsgruppe Künstliche Intelligenz am Institut für Informatik der Freien Universität Berlin. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert das Projekt, das Technologien für autonome Autos entwickelt.
ForMaT (Forschung für den Markt im Team) ist eine Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, die die frühzeitige Analyse des Verwertungspotenzials aus der Wissenschaft heraus fördert. Zudem unterstützt das Programm Verwertungskooperationen und den Aufbau von Innovationslaboren.