
eRockit-Erfinder Stefan Gulas auf seinem Gefährt © eRockit GmbH
„Ich wollte auf jeden Fall ein Fahrrad bauen“, sagt Stefan Gulas. Und das hat er getan – allerdings ist es kein herkömmliches Fahrrad geworden. eRockit heißt das ungewöhnliche Gefährt, das Stefan Gulas entwickelt und in Kürze auf den Markt bringen wird. Das eRockit verbindet Gefühl und Bewegung des Radfahrens mit der Schnelligkeit eines kleinen Motorrades, angetrieben von einem Elektromotor. Bis zu 80 km/h schnell ist der eRockit-Fahrer – je nachdem wie stark er in die Pedale tritt.
Sportliche Leistung mal 50
Allerdings treibt die Pedale nicht das Hinterrad an wie bei einem herkömmlichen Fahrrad. Ebenso wenig unterstützt der eRockit-Fahrer den Elektromotor wie bei den bisherigen Elektrofahrrädern. Stattdessen hat sich Stefan Gulas das Prinzip eines Hometrainers zu eigen gemacht: Die Muskelkraft des Fahrers setzt eine Schwungscheibe in Bewegung, ein Generator nimmt die Drehzahl auf und gibt sie, multipliziert mit einem Faktor bis zu 50, an den Motor weiter. Je schneller also der eRockit-Fahrer tritt, desto stärker arbeitet der Motor. Human-Hybrid nennt Stefan Gulas seine Erfindung deshalb auch.
Den Charakter eines Fahrzeugs verändert

Das eRockit kann auf bis zu 80 km/h beschleunigen. © eRockit GmbH
Vier Jahre hat die Entwicklung des eRockit gedauert, seit drei Jahren absolvieren Prototypen bereits zahlreiche Testkilometer. Viele Details mussten Stefan Gulas und sein Team ganz neu erarbeiten. Dazu gehört beispielsweise ein Filter, der dafür sorgt, dass das ungleichmäßige Treten des Fahrers gleichmäßig im Motor ankommt und es während der Fahrt nicht ruckelt. „Darauf haben wir ein Patent in Europa und den USA“, sagt Gulas. Doch der größte Erfolg ist für ihn ein anderer: „Wir haben den Charakter eines Fahrzeugs verändert. Das gibt es sonst nicht.“ Und damit nicht genug: „Wir haben einen Weg gefunden, eMobility zu einem Produkt zu machen, das die Leute haben wollen“, sagt Stefan Gulas. Der Spaß beim Fahren und die Aufmerksamkeit der anderen Verkehrsteilnehmer seien die besten Verkaufsargumente.
Das Ziel: 100 Prozent emissionsfrei
Aus der ganzen Welt erreichen inzwischen Bestellungen die eRockit-Zentrale in Berlin-Marzahn. Doch Stefan Gulas und sein fünfzehnköpfiges Team ruhen sich nicht auf ihrem Erfolg aus. Derzeit entwickeln sie eine kleinere Variante des eRockit, das nur bis zu 45 km/h fährt. Hinzu kommen verschiedene Kooperationen: Gemeinsam mit dem Sounddesigner Friedrich Blutner arbeitet die eRockit GmbH am perfekten Klang von Elektrofahrzeugen. Mit Windows sucht das Team Möglichkeiten, das eRockit multimedial auszustatten, und zusammen mit einem Ladegerätehersteller will man 100 Prozent emissionsfreies Fahren erreichen. Zwar ist das Fahren mit dem eRockit an sich sowieso bereits emissionsfrei, doch das Aufladen der Batterien nicht immer. Die Lösung: eRockit-Besitzer mit Solarmodulen auf dem Hausdach sollen ihren Solarstrom zwischenspeichern können, um damit später die Batterien ihres eRockit aufzuladen.
Berlins Vorteil: hohe Dichte wissenschaftlicher Einrichtungen
Auch mit der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin hat die eRockit GmbH bereits kooperiert, in dem Projekt ging es um die Entwicklung einer Motorsteuerung. Die hohe Dichte von Universitäten und technischen Hochschulen betrachtet Stefan Gulas als einen der großen Vorteile Berlins, nicht nur wegen der Kooperationsmöglichkeiten, sondern auch wegen der gut ausgebildeten Absolventen. Immer wieder schreiben Studierende, beispielsweise aus den Bereichen Elektrotechnik und Mechanik, bei eRockit ihre Bachelor- oder Masterarbeit. „Ich hätte das alles in keiner anderen Stadt als Berlin machen können“, sagt Stefan Gulas. Hier habe er genau die richtigen Leute für sein Projekt gefunden: kompetent und bereit für Außergewöhnliches.
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Die eRockit GmbH entwickelt und baut das Human-Hybrid-Motorrad von Berlin-Marzahn aus. Stefan Gulas gründete das Unternehmen im Jahr 2005.