
Eine neuartige Solarzelle führte Anfang der 1990er Jahre zur Gründung der Sulfurcell Solartechnik GmbH. © Sulfurcell Solartechnik GmbH
Es war eine kleine, neuartige Solarzelle, die Anfang der 1990er Jahre zu einem riesigen Erfolg und zur Gründung einer Berliner Firma führte. Die Erfolgsbringer heißen CIS-Solarzellen, die Firma nennt sich Sulfurcell Solartechnik GmbH.
Die Erfolgsgeschichte begann im Hahn-Meitner-Institut (heute Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie GmbH). Forscher entwickelten dort eine Solarzelle auf Basis einer neuen Materialkombination. Diese neue Zelle erzeugte nicht – wie bis dahin üblich – durch Silizium Energie, sondern durch eine dünne Schicht aus Kupfer, Indium und Schwefel, die auf Glasscheiben aufgetragen wird. Die Abkürzungen dieser Elemente (C, I und S) gaben der Technologie ihren Namen. Der Vorteil: Die CIS-Schicht kann genauso viel Sonnenlicht absorbieren wie das hundert mal dickere Silizium einer konventionellen Solarzelle. Bei Hitze oder Teilverschattung liefert sie sogar höhere Energieerträge. Und nicht nur das: Die Herstellungskosten der dünnen Schichten sind viel geringer und es wird deutlich weniger Energie in der Herstellung benötigt.
Nach zehn Jahren folgte der Schritt in die Wissenschaft
Das Hahn-Meitner-Institut erkannte frühzeitig das Potenzial der neuen Zellen. Zwei Mitarbeiter, die Physiker Dr. Nikolaus Meyer und Dr. Ilka Luck, arbeiteten daraufhin zehn Jahre an der Entwicklung der Technologie und wagten 2001 den Schritt vom Labor in die Wirtschaft: Sie gründeten die Sulfurcell Solartechnik GmbH in Berlin-Adlershof. 2005 präsentierte das Unternehmen einen Prototypen auf der europäischen Photovoltaik-Konferenz. Ein Jahr später brachte die GmbH als erstes Unternehmen weltweit die Solarzellen in die Serienfertigung und startete mit der Vermarktung. Die erste Auszeichnung folgte prompt: Sulfurcell erhielt den Innovationspreis Berlin-Brandenburg.
Nähe zum Helmholtz-Zentrum als wichtiger Standortvorteil

In der Forschung und Entwicklung arbeitet Sulfurcell eng mit dem Helmholtz-Zentrum zusammen. © HZB, Schurian
An der Zusammenarbeit mit der Wissenschaft möchte Sulfurcell trotz des erfolgreichen Schritts in die Wirtschaft festhalten. Zwar unterhält die Firma mittlerweile selbst eine Abteilung für Forschung und Entwicklung, die Kooperation mit dem PVcomB-Kompetenzzentrum Dünnschicht- und Nanotechnologie für Photovoltaik Berlin – eine Initiative des Helmholtz-Zentrums Berlin für Materialien und Energie und der Technischen Universität Berlin – soll zusätzlich weiter bestehen bleiben. „Auch die Nähe zum Helmholtz-Zentrum Berlin als eine der größten Forschungseinrichtungen Europas für Dünnschichtphotovoltaik macht Berlin-Adlershof zu einem idealen Standort für Sulfurcell“, sagt PVcomB-Sprecher Erik Zürn.
Solarstrom soll in Zukunft wettbewerbsfähig sein
Für die Zukunft ist das Ziel der Sulfurcell Solartechnik GmbH klar gesteckt: Solarstrom soll ohne Förderungen wettbewerbsfähig sein. Er soll zu einem Preis produziert werden können, der es auch für Privatpersonen sinnvoll macht, Strom auf dem Dach selbst zu erzeugen, anstatt ihn einzukaufen. Der Weg dahin ist frei, denn die größte Hürde haben die Wissenschaftler und Jungunternehmer bereits genommen: Sie haben aus einer völlig neuen Labortechnologie ein anerkanntes Industrieprodukt gemacht.
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Sulfurcell produziert und entwickelt Dünnschichtsolarmodule aus Chalkopyrithalbleitern (CIS/CIGSe). Der TÜV-Rheinland prüft Solarmodule von Sulfurcell regelmäßig und hat sie nach dem Qualitätsstandard IEC 61646 und IEC 61730 zertifiziert.

Das Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie GmbH (HZB) ist aus der Fusion des Hahn-Meitner-Instituts Berlin (HMI) und der Berliner Elektronenspeicherring-Gesellschaft für Synchrotronstrahlung (BESSY) hervorgegangen. Als Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft wird das HZB zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent vom Land Berlin gefördert.

Am PVcomB werden Dünnschicht-Photovoltaiktechnologien und -produkte gemeinsam mit der Industrie entwickelt. Der Technologie- und Wissenstransfer erfolgt in Forschungsprojekten mit industriellen Partnern sowie durch die Ausbildung von hochqualifizierten Fachkräften. Gründungspartner sind das HZB und die Technische Universität Berlin.