Prof. Dr.
Anja Feldmann
Inhaberin des Lehrstuhls für „Intelligente Netze und Management verteilter Systeme“ der Deutschen Telekom Laboratories, einem An-Institut der Technischen Universität Berlin
(Foto: TU Berlin, Ulrich Dahl)

Inhaberin des Lehrstuhls für „Intelligente Netze und Management verteilter Systeme“ der Deutschen Telekom Laboratories, einem An-Institut der Technischen Universität Berlin
(Foto: TU Berlin, Ulrich Dahl)
Fährt die Bahn trotz Schnee? Welche Autobahn sollte ich zum Ferienbeginn meiden? Wer im Internet nach Informationen sucht, die für viele Menschen interessant sind, gerät an manchen Tagen schnell in einen Datenstau. „Das Internet funktioniert gut, solange nicht zu viele Leute die gleichen Inhalte wollen“, sagt Professor Dr. Anja Feldmann. Die Informatikerin arbeitet daran, das zu ändern und hat 2006 den Lehrstuhl für „Intelligente Netze und Management verteilter Systeme“ der Deutschen Telekom Laboratories, einem An-Institut der Technischen Universität Berlin, übernommen. Für ihre Verbindung von Wissenschaft und Praxis erhält Anja Feldmann nun den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis, den höchstdotierten deutschen Förderpreis.
Verstehen, wie die Menschen das Internet nutzen
„Um etwas zu verändern, müssen wir erst verstehen, wie die Menschen das Internet nutzen“, sagt Anja Feldmann. Bereits seit einigen Jahren arbeitet sie deshalb an einer Internet-Verkehrsanalyse und -Modellierung. Wann greifen wie viele Menschen auf welche Inhalte zu? So lautet, salopp formuliert, die zentrale Frage. Parallel dazu entwickelt Prof. Feldmann gemeinsam mit ihrem Team Ideen, wie sich die Infrastruktur des Internets verbessern lässt, kurzfristig und in der ferneren Zukunft.
„Wir müssen wieder mehr Innovationen in das Netz hineinbringen“, sagt Anja Feldmann. Zuletzt haben sich hauptsächlich Endgeräte wie Computer und Handys stetig weiterentwickelt, das Internet dagegen basiert im Wesentlich noch immer auf einer inzwischen 20 Jahre alten Technik. Prof. Feldmann arbeitet deshalb an Ideen, wie ein neues Internet aussehen könnte. Eine davon sieht vor, mehrere Netze parallel zu betreiben, durch verschiedene Internet-Protokolle. Es wäre dann denkbar, ein sicheres Netz zu haben, etwa für das Online-Banking, und eines, in dem der Nutzer anonym unterwegs sein kann.
Unternehmen sind Problemlieferanten und Abnehmer für neue Ideen
Einige Entwicklungen von Prof. Feldmann und ihrem Team sind inzwischen bereits im Einsatz, u.a. durch Kooperationen mit der Telekom. Die Telekom ist nicht der einzige Kooperationspartner der Forschungsgruppe von Prof. Feldmann in der Wirtschaft. Von kleineren Internet-Providern in und um Berlin bis hin zu großen Telekommunikationsunternehmen in ganz Deutschland arbeitet Anja Feldmann eng mit den Praktikern zusammen. „Die Unternehmen sind für uns sowohl Problemlieferant als auch Abnehmer von neuen Ideen“, sagt die Informatikerin. Kennengelernt hat Prof. Feldmann die enge Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Wissenschaft während ihrer Zeit in den USA. Nach ihrer Promotion an der Carnegie Mellon University in Pittsburgh arbeitete sie im Entwicklungslabor des Computer- und Technologieherstellers AT&T.
Dass sie nun als einzige Berliner Wissenschaftlerin den Leibniz-Preis erhält, kam unerwartet für Prof. Anja Feldmann. „Mit so einer Auszeichnung kann man nie rechnen“, sagt sie. Umso schöner war die Überraschung, als sie vor Weihnachten von dem Preis erfuhr – und den 2,5 Millionen Euro Preisgeld. Das Geld wird umgehend wieder in die Arbeit von Anja Feldmann und ihrem Team fließen: „Wir wollen damit beispielsweise unser internationales Netzwerk stärken, Gastwissenschaftler einladen und einzelne Projekte unterstützen.“ Zudem plant sie ein Programm zur Nachwuchsförderung. Darüber will Anja Feldmann Studierenden, Doktoranden und PostDocs in ihrer Arbeitsgruppe eine ähnlich gute und individuelle Betreuung ermöglichen, wie sie sie selbst im Laufe ihrer akademischen Ausbildung erlebt hat.
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