Professor Dr.-Ing.
Christopf Gengnagel
Erster Vizepräsident der UdK Berlin sowie Professor im Studiengang Architektur und Direktor des Instituts für Architektur und Städtebau (IAS).
(Foto: UdK Berlin)

Erster Vizepräsident der UdK Berlin sowie Professor im Studiengang Architektur und Direktor des Instituts für Architektur und Städtebau (IAS).
(Foto: UdK Berlin)
Egal, wie komplex die Aufgabe ist, die Lösung muss am Ende möglichst einfach sein. Nach diesem Prinzip arbeitet Professor Dr.-Ing. Christoph Gengnagel, Inhaber des Lehrstuhls für Konstruktives Entwerfen und Tragwerkslehre. Denn nur wenn eine Entwicklung leicht umzusetzen ist, wird sie in der Praxis oft genutzt, sagt der Vizepräsident der Universität der Künste Berlin: „Wir brauchen Lowtech für jedermann“ – intelligente Lösungen, nutzbar für die breite Masse.
Solche Lösungen suchen Prof. Gengnagel und sein Team gemeinsam mit Menschen aus der Praxis. „Wir erleben in und um Berlin viele interessante Entwicklungen in Bereichen wie Photovoltaik, Speichermedien und Elektromobilität“, sagt der Bauingenieur und Architekt. Sie passieren, typisch für die Hauptstadt, in erster Linie in kleinen und mittelständischen Unternehmen. Der Berliner Solarmodulhersteller Solon SE gehört beispielsweise zu diesen Unternehmen und ist ein Kooperationspartner der Forscher um Christoph Gengnagel. Gemeinsam versuchen sie, erneuerbare Energien in den Wohnungsbau zu integrieren und nutzbar zu machen.
Naturbasierte Verbundstoffe sollen tragende Baustoffe werden
Es ist nicht der einzige Bereich, in dem sich Prof. Gengnagel mit Nachhaltigkeit beschäftigt. Gemeinsam mit seinem Team erforscht er die sogenannten Biocomposites – Faserverbundwerkstoffe aus schnell nachwachsenden Rohstoffen, die in der Fahrzeugindustrie bereits im großen Umfang verwendet werden. Nun geht es um die Frage, inwieweit sich spezielle Kombinationen aus langen Fasern wie z.B. Hanf, Jute oder Sisal im Verbund mit biologischen Harzen, z.B. aus Palmöl, als Grundlage einer ganz neuen Art von Baustoffen für tragende und nichttragende Konstruktionselemente sein können. Geplant ist die Herstellung erster Pultrusionsprofile aus vollständig recycelfähigen Biocomposites. „Wir sehen da großes Entwicklungspotenzial, insbesondere in Hinblick auf den großen Bedarf im Bereich des Wohnungsbau in Ländern in Asien und Afrika, die gleichzeitig die potentiellen Lieferanten der natürlichen Rohstoffe sind“, sagt Prof. Gengnagel.
Solche innovativen Material- und Konstruktionssysteme sind der eigentliche Forschungsschwerpunkt von Christoph Gengnagel. Dazu gehört unter anderem die Entwicklung sogenannter hybrider Tragwerke: Mischsysteme aus hoch biegeelastischen und versteifenden zugfesten Elementen. Sie ermöglichen kinematisch und statische Konstruktionen und damit unterschiedlichste Anwendungsmöglichkeiten im Bereich temporärer, mobiler aber auch permanenter Bauwerke. Konkret werden derzeit in zwei Forschungsvorhaben Prototypen für membranversteifte Bogentragwerke und Stützen sowie schnell errichtbare Gitterschalen entwickelt. Die experimentelle Untersuchung des ersten membranversteiften Bogens erfolgte in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Berlin. Als Werkstoff für die hoch biegeelastischen Elemente wird folgerichtig der Einsatz von Biocomposites untersucht. „Darauf baut nun unsere weitere Forschung auf“, so Prof. Gengnagel.
Beteiligung am Bau der Temporären Kunsthalle Berlin
Bereits die Promotion von Christoph Gengnagel drehte sich um das Thema „Mobile Membrankonstruktionen“, nachdem er Architektur und Bauingenieurswesen in Weimar und München studiert hatte. 2006 folgte er dem Ruf zum Universitätsprofessor an die Universität der Künste in Berlin und übernahm den Lehrstuhl für Konstruktives Entwerfen und Tragwerkslehre. 2008 wählte ihn der Erweiterte Akademische Senat zum Ersten Vizepräsident der UdK. Parallel zu seiner wissenschaftlichen Arbeit ist Prof. Gengnagel Partner im Büro a.k.a.ingenieure und war unter anderem am Bau der Temporären Kunsthalle Berlin beteiligt.
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