Dr.
Enno Klußmann
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin Berlin-Buch
(Foto: FMP Berlin, Silke Oßwald)

Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin Berlin-Buch
(Foto: FMP Berlin, Silke Oßwald)
Dr. Enno Klußmann sucht nach einem Weg, Patienten mit Herzschwäche zu helfen. „Bisherige Medikamente verbessern zwar die Lage der Patienten“, sagt Klußmann, „sie halten die Krankheit aber nur kurzfristig auf.“ Enno Klußmann und sein Team vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin Berlin-Buch arbeiten an einem neuartigen Therapieansatz, der gezielter eingreift als andere Ansätze und potenziell weniger Nebenwirkungen verursacht. Sein Ansatz zielt darauf ab, die Wechselwirkungen bestimmter Proteine, den Proteinkinase A-Ankerproteinen (AKAP), zu beeinflussen. Besonders ins Visier genommen hat Klußmann dabei die Interaktion der AKAP mit der Proteinkinase PKA.
Herzmuskel- und Nierenzellen beeinflussen das Entstehen von Herzschwäche
AKAP-PKA-Wechselwirkungen sind nicht nur an der Wasserrückresorption in den Zellen der Niere beteiligt, sondern regulieren auch die Kontraktilität von Herzmuskelzellen. Beide Zelltypen sind essentiell an der Entstehung einer Herzinsuffizienz beteiligt. Die Nierenzellen sind dafür verantwortlich, dass bei der Harnbildung Wasser aus dem Harn herausgefiltert und ins Blut abgegeben wird. Genau diese Rückresorption funktioniert bei Patienten mit Herzinsuffizienz, also Herzschwäche, zu gut: Zu viel Wasser gelangt ins Blut. Das steigert das Risiko für Bluthochdruck und folglich das Risiko an Herzinsuffizienz zu erkranken. Die Kontraktilität der Herzzellen nimmt bei Herzschwäche ab.
Indem Enno Klußmann in den Herzmuskel- und Nierenzellen entscheidende Protein-Protein-Wechselwirkungen mit bestimmten Molekülen blockiert, unterstützt er die Pumpfunktion des Herzens und verhindert eine exzessive Wasserrückresorption. Der Therapieansatz von Enno Klußmann zielt dabei nur auf die Teile einer Zelle ab, die wirklich betroffen sind. Noch wirken viele Arzneien auch auf Körperzellen und molekulare Mechanismen ein, die nicht an der Krankheit beteiligt sind und verursachen so Nebenwirkungen.
Ausgezeichnet beim Wettbewerb GO-Bio
Mit seinem neuartigen Therapieansatz gehörte Enno Klußmann 2007 zu den Preisträgern der zweiten Förderrunde von GO-Bio, einem Wettbewerb des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Das Preisgeld nutzte Klußmann vor allem, um die Möglichkeiten zur Arzneimittel-Entwicklung auszubauen, beispielsweise indem er ein Chemielabor einrichtete. All das passierte noch am Leibniz-Institut für Molekulare Pharmakologie (FMP), an dem Klußmann bis November 2010 forschte, bevor er mit seiner Arbeitsgruppe zum MDC wechselte. Die Zusammenarbeit mit dem benachbarten Institut bleibt aber eng. So ist beispielsweise das Chemielabor weiterhin beim FMP angesiedelt.
Um am Ende aus den bisher entwickelten Hemmstoffen marktreife Medikamente zu machen, plant Enno Klußmann zusammen mit seinen Partnern Walter Rosenthal und Heiner Renneberg derzeit die Gründung eines eigenen Unternehmens. „Im akademischen Rahmen als Forscher können Sie ein Medikament kaum bis zur ersten Anwendung des Wirkstoffs bei Menschen entwickeln“, sagt Klußmann. Dazu braucht es die entsprechenden finanziellen Mittel, die den akademischen Rahmen sprengen. In dem neuen Unternehmen sollen Substanzen bis zum sogenannten „proof of concept“, dem Machbarkeitsnachweis, im Menschen entwickelt werden. Die anschließenden Schritte der Medikamenten-Entwicklung werden so teuer sein, dass sie nur durch einen etablierten Partner aus der pharmazeutischen Industrie gestemmt werden können.
"Bis dahin ist es noch ein Stück Arbeit“, sagt Enno Klussmann, „aber wir sind sehr zuversichtlich, dass unser innovativer Ansatz, Protein-Protein-Wechselwirkungen an definierten Strukturen in Zielzellen zu modulieren, ein richtiger Weg zur Entwicklung spezifischer neuer Pharmaka ist."
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Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) ist eines der wichtigsten Zentren für biomedizinische Forschung. Der Standort mit seinen Kliniken, Forschungsinstituten und Biotechnologie-Unternehmen bietet ein exzellentes Umfeld für die interdisziplinäre und patientenorientierte Spitzenforschung.

Das Leibniz-Institut für Molekulare Pharmakologie existiert seit 1992. Im Mittelpunkt der Arbeit der rund 260 Mitarbeiter steht die Grundlagenforschung im Bereich Proteine.