Prof. Dr.
Johann-Christoph Freytag
Geschäftsführender Direktor des Instituts für Informatik und Inhaber des Lehrstuhls für Datenbanken und Informationssysteme an der Humboldt-Universität zu Berlin (Foto: Prof. T. Härder)

Geschäftsführender Direktor des Instituts für Informatik und Inhaber des Lehrstuhls für Datenbanken und Informationssysteme an der Humboldt-Universität zu Berlin (Foto: Prof. T. Härder)
Forschung ist am spannendsten, wenn sie die Uni verlässt und direkte Anwendung in der Wirtschaft findet. Nach diesem Prinzip arbeitet Professor Johann-Christoph Freytag an der Humboldt-Universität zu Berlin. Er ist Geschäftsführender Direktor des Instituts für Informatik und Inhaber des Lehrstuhls für Datenbanken und Informationssysteme.
„Ich wollte eigentlich nie Professor werden“, sagt Johann-Christoph Freytag. „Ich habe mich in der freien Wirtschaft immer sehr wohl gefühlt.“ Genau dahin zog es ihn auch direkt nach seinem Informatikstudium in Hamburg und an der Harvard Universität. Am IBM Almaden Research Center in Kalifornien arbeitete er am Datenbankprojekt Starburst, dessen Technologie in heutigen IBM-Datenbankprodukten wiederzufinden ist. 1987 wechselte er zum European Computer Industry Research Center in München, 1990 übernahm er für die Firma Digital Equipment (DEC) als Leiter der Forschungsgruppe den Aufbau des Database Technology Centers.
Unter den Top-20-Wissenschaftlern im Bereich der Datenbanken
Seit 1994 arbeitet Johann-Christoph Freytag an der Humboldt-Universität zu Berlin als Professor für Datenbanken und Informationssysteme. Den Bezug zur Wirtschaft verlor er auch dort nicht. Weltweit gab Freytag Industrieseminare für große Unternehmen und machte sich durch viele Veröffentlichungen international einen Namen. Längst gehört er zu den Top-Wissenschaftlern im Bereich der Datenbanken und hat etliche Preise für seine Forschungs- und Technologiearbeiten gewonnen. Darunter sind der IBM-Faculty-Award in den Jahren 1999, 2001, 2002 und 2003, der IBM Shared University Research Grant 2001 sowie der HP Labs Innovation Research Award in 2009 und 2010 für seine Arbeiten im Bereich Anfragebearbeitung in Datenbanksystemen und Cloud Computing zu finden.
In Berlin möchte er vor allem eines erreichen: Forschung und Wirtschaft noch enger miteinander zu verknüpfen. „Wir fördern zum Beispiel den Nachwuchs, indem wir Existenzgründungen unterstützen“, sagt er. Der Datenbank-Experte berät junge Unternehmensgründer im Rahmen der Humboldt-Innovation persönlich.
Außerdem, so der Wissenschaftler, gäbe es in Berlin viele mittelständische Betriebe, die gemeinsam mit der Wissenschaft kleine, zielgerichtete Projekte umsetzen möchten. Johann-Christoph Freytag: „Wir bieten zum Beispiel für industrielle Kunden Beratungen bei der Produktentwicklung an.“ Aufträge kommen unter anderem von Großunternehmen wie Siemens oder IBM, aber auch von mittelständischen Berliner Firmen. Für verschiedene Unternehmen haben Freytag und sein Team Prototypen von Softwareprodukten entwickelt. „Ich möchte aber keine reine Dienstleistung anbieten“, betont Freytag. „Mir geht es vor allem um den Technologietransfer. Wir wollen gemeinsam mit Industriepartnern an Lösungen arbeiten sowie langfristige Technologieentwicklung und industriell fokussierte Forschung betreiben.“
Zu solchen langfristigen Forschungsprojekten, die in der Wirtschaft Anwendung finden, gehören zum Beispiel auch Technologieentwicklungen für das Semantische Web. Freytag: „Darunter versteht man neue Technologien, mit denen Inhalte im Internet auf Grund inhaltlicher Analysen leichter zu finden sind.“
„In Berlin sitzen die kreativen Köpfe“
Von Berlin als Wissenschaftsstandort ist Freytag überzeugt. „Hier gibt es eine große Anzahl an IT-Firmen mit viel Entwicklungspotential. Außerdem ist unter anderem die Filmbranche stark vertreten, die ebenfalls interessant für uns ist.“ Auch hat in den vergangenen Jahren die Bioinformatik in Berlin eine große Rolle gespielt. Freytag: „Ich habe lange in München gearbeitet. Dort gibt es zwar größere Industrieunternehmen, aber dafür sitzen in Berlin die kreativen Köpfe.“
Um das Berliner Potenzial auszuschöpfen, hat Johann-Christoph Freytag gemeinsam mit Prof. Dr. Ing. Robert Tolksdorf von der Freien Universität Berlin den Unternehmer Rainer Thiem bei der Gründung des Berliner Vereins Xinnovations e.V. unterstützt. Xinnovations ist ein Innovationsforum für netzbasierte Informationstechnologien. Auf der jährlichen Xinnovations-Konferenz, die von allen dreien organisiert und ausgerichtet wird, tauschen Vertreter der Wissenschaft und der Wirtschaft aktuelle Ideen und Vorschläge mit dem Ziel aus, gemeinsame Projekte und Kooperationen ins Leben zu rufen. Johann-Christoph Freytag: „Diese Konferenz veranstalten wir aus Leidenschaft und wollen damit ein wichtiges Ziel erreichen: Erkenntnisse aus der Wissenschaft für die Wirtschaft zur Verfügung zu stellen – und natürlich anders herum.“
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