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Ein iBullitt für alle Fälle

Das Elektrolastenrad bewegt die Hauptstadt

Mit dem Projekt „Ich ersetze ein Auto“ untersuchen Berliner Wissenschaftler in Zusammenarbeit mit lokalen Unternehmen, wie Elektrolastenräder die Lücke zwischen Auto- und Fahrradkurierdienstleistungen schließen können.

iBullitt
Astrid auf iBullitt © Amac Garbe / DLR

iBullitt klingt wie eine App eines bekannten Computerunternehmens, doch iBullitt ist keine Software, sondern ein Elektrolastenrad. Es ist zwar mindestens so praktisch wie eine App, hat aber deutlich mehr Funktionen.

Passgenaue Lösung für kleine bis mittlere Ladungen

iBullitt ist Teil des Projekts „Ich ersetze ein Auto“, bei dem Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) zusammen mit einem Berliner Elektrofahrradhersteller und lokalen Kurierdienstunternehmen untersuchen, wie sich die Lastenräder im Praxistest bewähren und welche positiven Effekte der Einsatz der iBullitts auf die CO2-Bilanz der Kurierdienstleister und die Auslastung des Berliner Straßenverkehrs haben. Die Kernfrage ist dabei so simpel wie genial: Ist es ökonomisch und ökologisch sinnvoll, für den Transport von zehn Kilogramm Ladung ein bis zwei Tonnen Auto zu bewegen? Die Projektverantwortlichen meinen, dass diese Lücke, die sich bei dem Transport von mittleren Ladungen ergibt, mit dem iBullitt geschlossen werden kann.

Aus einem Lastenrad wurde das iBullitt

Begonnen hat alles im Jahr 2010 mit Frank Müller, dem Geschäftsführer von Urban-e, einem Unternehmen, das das Lastenrad eines Kopenhagener Herstellers mit einer Cargo-Box und einem Elektromotor kombinierte und damit das perfekte Transportfahrzeug für die Berliner Fahrradkurierszene schuf. Da Frank Müller vorher als Geschäftsführer für den Bundesverband eMobilität tätig war, hatte er bereits gute Kontakte in die Logistikerbranche. Der Testbetrieb der iBullitts über einen der größten Berliner Kurierdienste messenger funktionierte gut und eine wissenschaftliche Begleitung für dieses Projekt erschien sinnvoll. Gemeinsam mit dem DLR wurde erfolgreich ein Förderantrag erstellt. Das Projekt „Ich ersetze ein Auto“ ist seitdem Teil der Klimaschutzinitiative des Bundesumweltministeriums.

Acht deutsche Städte machen mit

Die Leitung des Projektes liegt bei Johannes Gruber vom DLR. Mittlerweile nehmen Kurierunternehmen in acht deutschen Städten daran teil, darunter München, Düsseldorf und Nürnberg. Gruber sammelt die Auftragsdaten und wertet sie aus. Bisher sind über eine Millionen Datensätze zusammengekommen. Ziel ist es herauszufinden, für welche Zwecke die iBullitts eingesetzt werden. Meist sind es Lieferungen, die zu groß für den Rucksack eines normalen Fahrradkuriers sind und über kurze und mittlere Strecken transportiert werden sollen: Von voluminösen Blumensträußen über eilige Aktenordner bis hin zu dringend benötigten Blutproben ist alles dabei.Dazu erstellt Gruber auch Fragebögen, die an alle beteiligten Kuriere ausgeteilt werden. Der Wissenschaftler glaubt, dass Fahrradkuriere auf das iBullitt ausweichen werden und den Autos „die Aufträge insbesondere auf kurzen und mittleren Strecken in der Stadt wegschnappen werden.“ Der Geschwindigkeitsunterschied sei im dichten Verkehr deutlich geringer als angenommen, und während der Autokurier im Stau stecke und kein Geld verdiene (Kuriere werden für gewöhnlich nach Kilometern bezahlt), gleite das iBullitt am Stau vorbei.

Berliner Luft fördert Innovationsgeist

Gruber bringt seine Arbeit Spaß und er freut sich, wenn er auf Messen und Veranstaltungen von seinem Projekt erzählt und auf den staunenden Gesichtern seiner Zuhörer den „Aha-Effekt“ erzeugen kann. Seiner Meinung nach habe die „Berliner Luft und der Innovationsgeist der Stadt“ wesentlich dazu beigetragen, dass die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft so erfolgreich funktioniert. Obwohl nun mehrere Städte teilnehmen, erfolgt die Steuerung und die Weiterentwicklung des Projekts von Berlin aus.

IBullitt
Beladung iBullitt © Amac Gabe/ DLR

Das iBullitt überzeugt in ökologischen wie ökonomischen Aspekten, doch für den umfassenden Einsatz im privatem Bereich sieht Johannes Gruber woanders eine viel größere Hürde, nämlich in den Köpfen der Menschen: „Manche Menschen haben einfach eine andere Mentalität, der Umstieg von Auto auf ein fahrradähnliches Konstrukt scheint für sie undenkbar.“ Hier muss ein schrittweises Umdenken stattfinden. Und Johannes Gruber ist überzeugt: Obwohl die Förderung des Projekt im Juni 2014 endet, wird sich die Idee weiterentwickeln und für einen saubereren und leiseren Dienstleistungsverkehr in Innenstädten sorgen.

Steckbrief iBullitt:

Antrieb: 250W bürstenloser Radnabenmotor am Vorderrad

Geschwindigkeit: bis 25 km/h elektrisch unterstützt; Nutzung ohne Führerschein, zulassungsfrei (Pedelec, deshalb auch kein Helmzwang)

Elektrische Reichweite: circa 90 km

Ladedauer: 3-4 Stunden für 80%

Leergewicht: 38 kg

Zulässiges Gesamtgewicht: 200 kg, d.h. maximale Zuladung ohne Gewicht des Fahrers ca. 100kg

Volumen der Ladebox: Modell „Standard“: 176 Liter (entspricht 2 Umzugskartons) oder Modell „Maxi“: 281 Liter

Preis: EUR 5.000,-

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