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Apr 10 2017

Mitarbeiterfluktuation schadet jungen Unternehmen

 

Studie geht von 22.000 Euro Wertschöpfungsverlust aus

Frischer Wind durch neue Mitarbeiter? Während etablierte Firmen davon profitieren können, schadet der Mitarbeiteraustausch jungen Unternehmen eher, wie eine aktuelle Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zeigt. Etablierte Unternehmen können von moderaten Mitarbeiterfluktuationen profitieren, weil dadurch ihre Produktivität gesteigert wird. Bei jungen Unternehmen zeigt sich ein umgekehrtes Bild. Der negative Effekt vergrößert sich, je unerfahrener Gründer und je jünger Unternehmen sind. 

 

Das ZEW hat die Daten von 15.300 Unternehmen in Deutschland mit Gründungsdatum zwischen 2005 und 2012 ausgewertet und kommt zu dem Schluss: Wenn ein durchschnittliches junges Unternehmen einen von drei Mitarbeitern austauscht, führt das im Jahr des Austauschs zu einem Wertschöpfungsverlust von 22.000 Euro. Zusätzliche Auswertungen weisen darauf hin, dass junge Unternehmen diesen Produktivitätsverlust auch in den folgenden beiden Geschäftsjahren, wenn der neue Mitarbeiter besser eingearbeitet ist, nicht wettmachen können.

 

Schwache Position auf dem Arbeitsmarkt

Besonders hoch ist der negative Produktivitätseffekt eines Mitarbeiteraustauschs bei jungen Unternehmen, wenn deren Gründer über keine Personalführungs- oder Managementvorerfahrungen verfügen. Im Vergleich zu Unternehmen, deren Gründer Vorerfahrungen besitzen, ist der negative Effekt etwa doppelt so hoch. „Der negative Effekt des Mitarbeiteraustauschs erklärt sich sowohl durch die schwache Position junger Unternehmen auf dem Arbeitsmarkt, die es ihnen schwer macht, gut qualifiziertes Personal zu attrahieren, als auch durch den Mangel an Managementerfahrung vieler Gründer, durch den es diesen Gründern schwerfällt, einen guten Arbeitgeber-Mitarbeiter-Match sicherzustellen“, sagt Martin Murmann, Wissenschaftler im ZEW-Forschungsbereich „Innovationsökonomik und Unternehmensdynamik“ und Autor der Studie. „Junge Unternehmen haben im Gegensatz zu etablierten deshalb zum einen ein höheres Risiko, ungeplant Mitarbeiter austauschen zu müssen. Zum anderen haben sie vergleichsweise hohe Kosten durch Fluktuation, da ausscheidende Mitarbeiter in jungen Unternehmen meist über großes implizites Wissen verfügen.“

 

Zur Studie.